„Kein Platz für Liebe“, aber für eine virtuose Premiere in Fladnitz/T.

Hat die Theatergruppe Fladnitz an der Teichalm in den vergangenen Jahren nur allzu oft ihre spielerische Präzision eindrucksvoll bewiesen, sei es mit temporeichen Cooney-Komödien (sen. & jun.), sei es mit originalgetreuen Kammerspielinterpretationen klassischen Boulevards, so hat sich das Ensemble heuer mit der Farce „Kein Platz für Liebe“ Anthony Marriott und Bob Grant in der Inszenierung ihres neuen Regisseurs Franz Reisinger wahrhaft selbst übertroffen. Noch nie ging es auf der Bühne des Pfarrsaals Fladnitz/T. turbulenter zu, noch nie war mehr Bewegung auf der Bühne; das Stück ist eine Kombination aus Cooneys rasantesten Pointenfeuerwerken mit der – mindestens – doppelten Anzahl an Türen eines durchschnittlichen Camoletti – Cooney mal Camoletti zum Quadrat – und stellt höchste Ansprüche an die Darsteller. Zu wissen, wer wann wo sein muss, stellt allein schon eine enorme Konzentrationsleistung dar! Zahlreiche running gags, also Pointen, die sich – leicht abgewandelt – immer wieder wiederholen, erfordern höchste Präzision der Einsätze. Während andere Komödien einen running gag haben, gibt es hier gefühlt ein halbes Dutzend, die sich als rote Fäden durch die Handlung ziehen, vom gegenständlichen Wollfaden von Dr. Garfields aufgetrenntem Golfpulli, der sich von den Zimmern über Hotelflur und Treppe abwärts und über den Fahrstuhl wieder aufwärts zieht, einmal abgesehen. Die Harfe, die vom griesgrämigen Portier ständig von Zimmer zu Zimmer transportiert werden muss, ist nur ein solcher roter Faden, das penetrante Parfum des Hotelmanagers ein anderer – noch harmlos! Wesentlich konzentrationsfordernder ist, wenn jeder Streit der Flitterwöchner vor der Badezimmertür endet bzw. vertagt wird. Der Schluckauf der Flitterwöchnerin, wann immer „es“ erwähnt wird, ein weiterer running gag, die übrigens alle überaus harmonisch in die Handlung eingefügt sind, ohne jemals aufgesetzt zu wirken. Unnötig zu erwähnen, dass natürlich jeder mit jedem verwechselt wird.
Dr. Garfield hat sich aus guten Gründen nicht gerade das erste Haus am Platze ausgesucht, um das Betriebsklima mit seiner Sprechstundenhilfe Michelle zu verbessern. Aber was macht seine Frau dennoch plötzlich im selben Hotel? – Das ist nur eines der Probleme, mit dem sich der Hotelmanager zu befassen hat. Musiker und junge Flitterwöchner machen ihm zusätzlich das Leben schwer. Das Chaos beherrscht die Hotelflure. Zimmer und Koffer werden in halsbrecherischem Tempo verwechselt – bis nur noch ein steckengebliebener Lift den gordischen Gästeknoten auflösen kann — mit einem Schlag haben die Flitterwöchner ihre Ruhe!
Bei der überaus gelungenen, zurecht mit tosendem Applaus belohnten Premiere am 21. Juli vergingen die rund zweieinhalb Stunden wie im Fluge. Das rasante Tempo der Handlung trägt das Publikum durch die Aufführung und die ausgezeichnete Stimmung im Saal trug das Ensemble durch das Spiel. Präzise Pointensetzung und exakte Einsätze, gepaart mit absoluter Textsicherheit von der ersten bis zur letzten Szene gewährleisten, dass der Zuschauer zu jedem Zeitpunkt die Übersicht über die Verwirrungen des komplexen Spiels auf der Bühne behält!
Sie wollen wissen, was „es“ ist? „Schauen Sie ES sich an!“
Mag.Herbert Kampl

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