2. Halbzeit für Nestroys „Zerrissenen“ auf der Brandluckner Huabn

Bis 24. August gibt es auf der Brandluckner Huabn noch Gelegenheit, den „Zerrissenen“, eines der bekanntesten und beliebtesten Stücke Johann Nepomuk Nestroys, in der mit viel Lokalkolorit bereicherten, jedoch im Ganzen sehr Nestroy-authentischen   Inszenierung des neuen Huabn-Regisseurs Reinfried Schieszler zusehen!

Bereits zur restlos ausverkauften Premiere am 11. Juli durfte Huabn-Theater-Obmann Fritz Bauernhofer zahlreiche prominente Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion begrüßen, allen voran LH Hermann Schützenhöfer mit Gattin, aber auch viele regionale Bürgermeister und Gemeinderäte. In ihren Grußworten hatten alle Redner, insbesondere LH Hermann Schützenhöfer und der Angerer Bgm. Hubert Höfler, ehren- und liebevolle Worte für das langjährige Schaffen Sigmut Wratschgos, die das Huabn-Theater unbestritten dorthin gebracht hat, wo es heute steht, nämlich qualitativ an der Spitze des steirischen Laientheaters! Durch ihre Arbeit haben die Darsteller das nötige Rüstzeug erfahren, um die schlüssigen und gelungenen Inszenierungen ihrer aktuellen Regisseure erfolgreich umzusetzen.

Leider hatte der Regen die Premiere im Griff, die überdachte Tribüne bewährte sich einmal mehr, die Zuschauer saßen im Trockenen, die Schauspieler wurden zur Premiere in doppelter Hinsicht „ins kalte Wasser“ geworfen, machten das beste daraus und ernteten mit geradezu akrobatischen Schlitter-Einlagen über die nassen Bretter, die mehr Rutschbahn als Welt bedeuteten, viele zusätzliche kontextspezifische Lacher… — die traditionelle Premierenfeier musste ins ****Naturparkhotel Bauernhofer verlegt werden.

„Meiner Seel, ’s is a fürchterlich’s G’fühl, wenn man selber nicht weiß, was man will.“ „DER ZERISSENE“ ist eine Posse über den „armen“ reichen Herrn von Lips, der trotz seines vielen Geldes nichts Rechtes mit seinem Leben anzufangen weiß. Als er jedoch im Zuge der entstehenden Verwicklungen unter Mordverdacht stehend fliehen muss und gezwungen ist, als mittelloser Hilfsarbeiter bei einem seiner Pächter seinen Unterhalt zu verdienen, nehmen die Dinge ihren unaufhaltsamen, unterhaltsamen Lauf, bis er als verliebter verlebter Verlobter endet!

Einer, der sehr wohl weiß, was er will, ist Reinfried Schieszler, der mit dem Zerrissenen sein Regiedebüt im Brandluckner Huabn-Theater abgeliefert hat.

Seine Brandlucken-adäquate Adaption hat seit der Erstpräsentation  noch manche Änderung erfahren, von seiner Idee, die Namen zu modernisieren, ist er wieder abgegangen, das Publikum darf Nestroys altvertraute Sprache hören, ein kleines Glossar im Programmheft unterstützt das Verständnis der Nestroy-Neulinge – Schieszler vertraut dem Ensemble, Schieszler vertraut dem Publikum, was in beiden Fällen auf Gegenseitigkeit beruht. Das Ensemble berichtet von harmonischen Proben, von einem Gleichklang der Seelen bei der Erarbeitung der Inszenierung. Schieszlers Markenzeichen ist das Tempo seiner Inszenierungen, das radikale Kürzen und Straffen eine Leidenschaft, die er mit seinem Schwiegervater Peter Lotschak teilt. Den „Zerrissenen“, eine der durchaus komplex zu nennenden Possen Nestroys, nahe dem Volksstück angesiedelt, handelt er flüssig und schlüssig in kaum mehr als zwei Stunden ab, inklusive Pause! Auf die Couplets verzichtet er vollständig, Lips‘ Auftrittslied wird zum Rezitativgesang, dem Textkenner gehen so manche vertraute Nestroy-Pointen ab. „Nestroy war auch in drei Stunden nie langatmig“, möchte der Traditionalist rufen, doch dem Publikum gefällt’s und es belohnt den Mut zur Kürze mit Würze mit begeistertem Applaus und vollen Tribünen während der gesamten bisherigen Spielzeit! Und gerade Nestroy war der erste, der sagte, „der Erfolg wird an der Kasse gemessen!“ Authentischer – nämlich authentischer als erfolgreich – kann man Nestroy also kaum inszenieren, der Modernisierung und lokaler Adaption zum Trotz absolut zeitgenössisch und gleichzeitig zeitgemäß — der Erfolg gibt Schieszlers Konzept recht!

Einfallsreiche bühnentechnische Lösungen  auf das Nötige beschränkt – Kulisse bleibt die Huabn – sorgen für tolle Effekte,  und auch die Huabn darf jetzt aktiv mitspielen und – LED-Anlage sei Dank – in wechselnden Kostümen für stimmungsadäquate Atmosphäre sorgen! Eine runde, gelungene Inszenierung, die vom Ensemble mit Freude und Überzeugung gespielt und vom Publikum begeistert aufgenommen wird. Und ganz wichtig: die durchaus erkennbare neue Handschrift bildet keine Bruchlinie zu dem von Sigmut Wratschgo über Jahre geprägten Stil, der die Identität des Brandluckner Huabn-Theaters ausmacht, sondern erweist sich als harmonische Weiterentwicklung!

Eintrittspreise:

Erwachsene: EUR 16.- (Premiere 11.7., inkl. anschließendem Premierenbuffet EUR 19.-)

Kinder 6-15 Jahre:EUR 7.-

Infos, Termine und Kartenreservierung:

www.huabn-theater.at 

oder Tel. 0664 5241616 sowie unten rechts!

Karten können ab sofort im Naturparkhotel Bauernhofer an der Rezeption gekauft werden!

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